JOHANNA DIEHL

FRANKFURT

Nov 05 2011 – Jan 21 2012
PRESS RELEASE ENGLISH

With the exhibition BORGO Galerie Wilma Tolksdorf Frankfurt presents works from a recent series by Johanna Diehl made 2011 in Italy.

In her photographs the artist deals with the structure of ideal settlements built under Benito Mussolini in the backcountry of Sicily between 1926 and 1943 which articulate an attempt of creating social order. As already in her previous series 'Displace' Johanna Diehl focuses on the memory of places, the media awareness of architecture and its connection to ideology.

Those programmatically designed villages, so-called "Borghi", were intended to colonize and develop the rural Sicily and served as centres for the agrarian communities. The borghi generally consist of buildings with similar types: a central piazza, a church, governmental headquarters, school and other facilities representing the structure and the claim for power of the Fascist Party. Nowadays most of the borghi may be found abandoned within a landscape as unfulfilled Utopias, as places without memory filled with time.

By choosing the singular 'Borgo' as title for the show Johanna Diehl emphasizes that the focal point of this cycle lies not in the enumeration of particular phenomena but in the concept of those places.

The large-size photographs (analogue C-Print, 103 x 131 cm) are delving into almost Potemkin-like scenery construction. They are dealing with the artificial structure and surface of those places and their immanent filmic-photographical awareness. The series of the smaller formats (38 x 48,5 cm) indicates a typology - it pictures edifices with certain functions and produces in total a virtual place existing only in the sequence of those images.

This conceptual approach was inspired by the legend of the foundation of the Sicilian town Mussolinia which was literary adopted by Andrea Camilleri and Leonardo Sciascia. That place was actually planned and conceived on paper, and there was supposed to have been the foundation stone ceremony, but it was never realized. When Mussolini asked for the disposition of the city, the responsible persons built up facades in the woods, took photographs of the scenery and took it down again. They then mixed the photographs of the scenery with those of other existing places and thus created a place that only exists in photography. Johanna Diehl follows this idea of creating a non-existing place in the medium of photography and shows us its construction.

Johanna Diehl was born 1977 in Hamburg - she lives and works in Berlin. She has studied photography at the Academy of Visual Arts, Leipzig under Prof. Timm Rautert and was master student under Tina Bara. The work series BORGO was supported by the working scholarship of the DAAD.

PRESS RELEASE DEUTSCH

Mit der Ausstellung BORGO präsentiert die Galerie Wilma Tolksdorf Frankfurt Arbeiten einer neuen Werkgruppe von Johanna Diehl, die 2011 in Italien entstanden sind.

In diesen Fotografien befasst sich die Künstlerin mit der Struktur von Idealsiedlungen, die zwischen 1926 und 1943 unter Benito Mussolini im Hinterland von Sizilien gebaut wurden und die den Versuch einer Gesellschaftsordnung artikulieren. Mit präzisem Blick setzt sich Johanna Diehl, wie bereits in ihrem vorhergegangen Werkzyklus ?Displace?, mit dem Gedächtnis von Orten, dem medialen Bewusstsein von Architektur und ihrer Verbindung zur Ideologie auseinander.

Diese Siedlungen, sogenannte "Borghi", sind programmatisch entworfene Dörfer, die eine Erschließung des ländlichen Siziliens vorsahen und als Angelpunkte der ruralen Gesellschaft dienen sollten. Sie enthielten jeweils die gleichen funktionalen Gebäude: eine zentrale Piazza, eine Kirche, ein Parteigebäude, eine Schule, und weitere festgelegte Einrichtungen und spiegeln in ihrer Struktur den Machtanspruch der Faschisten wider. Heute sind viele Borghi verlassen und liegen in der Landschaft als nicht erfüllte Utopien - gedächtnislose Orte, die sich inzwischen mit Zeit angefüllt haben.

Johanna Diehl wählte als Titel ihrer Ausstellung den Singular 'Borgo'. Damit erklärt sie, dass es ihr vielmehr um das Konzept dieser Orte, als um die Aufzählung einzelner Phänomene geht.

Die großformatigen Fotografien (analoge C-Prints, 103 x 131 cm) befassen sich mit der kulissenhaften, beinahe potemkinschen Konstruktion, der künstlichen Situierung und Oberfläche dieser Orte und ihrem immanenten filmisch-fotografischen Bewusstsein. Die Serie von kleinformatigen Bildern (38 x 48,5 cm) deutet eine Typologie an. Sie zeigt Gebäude, denen eine bestimmte Funktion zugewiesen ist und ergibt einen fiktiven, nur in der Aneinanderreihung der Bilder existenten Ort.

Als Inspiration zu diesem Ansatz diente der Künstlerin die Legende von der Gründung des Ortes Mussolinia auf Sizilien, die u.a. von Andrea Camilleri und Leonardo Sciascia literarisch aufgegriffen wird. Dieser Ort wurde tatsächlich geplant und auf Papier konzipiert, aber es hat ihn nie gegeben. Als Mussolini sich eines Tages nach dem Zustand des Ortes erkundigte, für den er den Grundstein gelegt hatte, beeilten sich die Zuständigen, in großer Angst, innerhalb weniger Tage eine Kulissenstadt nach den Zeichnungen aufzubauen. Sie fotografierten diese ab und konstruierten ein Album, in dem sie Fotografien der Attrappe mit Fotografien bestehender Orte vermischten. Johanna Diehl nimmt diese Idee von der Erschaffung eines Ortes, den es nur in der Fotografie gibt, auf und führt uns dessen Konstruktion vor.

Johanna Diehl, 1977 in Hamburg geboren, lebt und arbeitet heute in Berlin. Sie studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Timm Rautert und ist Meisterschülerin bei Prof. Tina Bara. Die Arbeit BORGO wurde vom DAAD mit einem Arbeitsstipendium gefördert.

JOHANNA DIEHL

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