JOHANNA DIEHL

EXHIBITIONS // 2010 // BERLIN

BERLIN

Feb 20 2010 – Apr 21 2010
PRESS RELEASE ENGLISH

In her first solo show at Galerie Wilma Tolksdorf, the Berlin-based artist Johanna Diehl presents works from her series "Displace" - photographs of empty, converted, sometimes destroyed churches and mosques, photographs in the Muslim North and the orthodox Christian south of the divided island Cyprus.

This series of photographs was made in 2008/2009, when Johanna Diehl was working in Cyprus with a project grant from the German Academic Exchange Service.
The ruins she shows us tell about the history of the country and reflect its conflicts: for more than 35 years now, Cyprus has been divided into the southern Greek part and the Turkish-occupied north; the border also splits the capital Nicosia into two parts. And even if this border has been opened more in recent years, both parts of the country show traces of the decades-old conflict to this day: abandoned villages, destroyed houses, including houses of worship that were often abandoned head over heels, and left to deteriorate.

The title "Displace" refers to the absence of people (characteristic for this series) who were forced to abandon their homes and places of worship. At the same time the term also describes the process of rededication and the re-inscription by another ethnic group that has settled in the abandoned villages.

"Johanna Diehl, one of the most interesting photographers of her generation, took photographs of these emptied, unused or differently used houses of worship on both sides. The formal rigour of these photographs is only at first sight reminiscent of the Becher School; they are interesting precisely for their narrative details and deviances from typification. On one iconostasis, we see graffiti, icons have been removed from another. Elsewhere, the floors of churches are covered in carpets, lines of crepe paper point towards Mecca, the mihrab, the niche for praying, is simply painted on the wall of a church. In these inscriptions and re-inscriptions of architecture, the complex political history of the country is revealed in a particularly vivid way. Just as with Johanna Diehl's works on Odessa, she succeeds here, with an almost surreally precise eye for minimal formal details - the pattern of a skirt, the adhesive tape -, in revealing both the individual as well as collective fate of people. The fact that these people are usually not part of the picture only increases the effect of what is hinted at - just as in Hitchcock's films" (Niklas Maak, FAS, 25.10.2009).

Johanna Diehl, born in 1977 in Hamburg, today lives and works in Berlin. She studied photography at Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig with Professor Timm Rautert, and she is Meisterschülerin of Professor Tina Bara.

PRESS RELEASE DEUTSCH

In ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Wilma Tolksdorf präsentiert die in Berlin ansässige Künstlerin Johanna Diehl Arbeiten aus der Serie "Displace" - Fotografien leerstehender, umgewandelter, teilweise zerstörter Kirchen und Moscheen, aufgenommen im muslimischen Norden sowie im christlich-orthodoxen Süden der geteilten Insel Zypern.

Diese Fotoserie entstand 2008/2009, als Johanna Diehl im Rahmen eines Projekt-Stipendiums des DAAD auf Zypern arbeitete.
Die Ruinen, die sie uns zeigt, erzählen die Geschichte des Landes und spiegeln dessen Zerrissenheit wider: Bereits seit über 35 Jahren ist Zypern geteilt in den griechischen, südlichen Teil und den türkisch besetzten Norden; die Grenze spaltet auch die Hauptstadt Nikosia in zwei Bereiche. Und auch wenn diese Grenze in den letzten Jahren mehr geöffnet wurde, so findet man doch in beiden Landesteilen bis heute Spuren des jahrzehntelang schwelenden Konflikts: verlassene Ortschaften, zerstörte Häuser und eben auch Gotteshäuser, von ihren ehemaligen Bewohnern oftmals fluchtartig geräumt und dem Verfall überlassen. Vor allem diese sakralen Räume sind es, die Zeugnis geben über die Separierung und Vertreibung ganzer Gemeinden.

Der Titel "Displace", was sowohl "Vertreiben" als auch "Ersetzen" bedeutet, verweist auf die in den Fotografien charakteristische Abwesenheit der Menschen, die ihre Heimat und ihre Gebetsstätten verlassen mussten. Zugleich beschreibt dieser Begriff aber auch den Vorgang der Umwidmung und des Wiederbeschreibens durch eine andere Volksgruppe, die sich in den verlassenen Dörfern neu angesiedelt hat.

"Johanna Diehl, die zu den interessantesten Fotografinnen ihrer Generation gehört, hat auf beiden Seiten diese entleerten, un- oder umgenutzten Gotteshäuser fotografiert. Die formale Strenge ihrer Aufnahmen erinnert aber nur auf den ersten Blick an die Becher-Schule; interessant sind sie gerade wegen ihrer erzählerischen Details und Abweichungen von einer Typisierung. Auf einer Ikonostasis ist ein Graffiti aufgesprüht, aus einer anderen wurden die Bilder entfernt. Anderswo werden die Kirchen mit Teppichen ausgelegt, aufgeklebte Linien aus Kreppstreifen weisen Richtung Mekka, die Gebetsnische, die Mihrab, wird einfach auf eine Kirchenwand gemalt. In diesen Ein- und Überschreibungen von Architektur offenbart sich die komplexe politische Geschichte des Landes auf erstaunlich eindringliche Weise. Wie schon in Johanna Diehls Arbeit über Odessa gelingt es ihr auch hier mit einem fast surreal präzisen Blick für minimale formale Details - dem Muster eines Rockes, den Klebestreifen - das individuelle ebenso wie das kollektive Schicksal von Menschen offenzulegen. Dass diese Menschen meist nicht im Bild zu sehen sind, verstärkt, wie in Filmen von Hitchcock, die Wirkung des zu Erahnenden noch" (Niklas Maak, FAS, 25.10.2009).

Johanna Diehl, 1977 in Hamburg geboren, lebt und arbeitet heute in Berlin. Sie studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Timm Rautert und ist Meisterschülerin bei Prof. Tina Bara.

JOHANNA DIEHL

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